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Impressionen in der Fisterbucht...
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..Lengs im halben Dutzend
..Lengs im halben Dutzend

Und nun der zweite Reisebericht von unserem Gast Jirko Kruszona aus Berlin in unserem Ferienhaus Kjelavik.

Meeresangeln im Fisterfjord

 Am Donnerstag, 04. September 03 schoben sich 2 voll beladene VW-Busse um 11:00 Uhr gen Norwegen. Die Fahrt nach Hirtshals vollzog sich ohne größere Komplikationen, so dass uns das verschlafene Küstendörfchen um 23:30 mit offenen Armen empfing. Die Pause bis zur Fährabfahrt um 01:15 wurde mit klönen, netten Plausch mit den Büchsenblondinen und interessantem Erfahrungsaustausch mit ebenfalls Fisterreisenden, welche schon mehrmals in Fister waren, gefüllt. Die Fährüberfahrt nutzten wir um frisch Gezapftes zu vertilgen, dabei einer wirklich professionellen Band unsere Ohren zu schenken und irgendwann für die Dauer von 2h auf den harten Planken in den Träumen vom Großfisch im Fisterfjord und Umgebung zu schwelgen. Die Kristian IV öffnete um 07:00 ihren Schlund und entließ uns in die Freiheit. Wir waren in Norge... dem Land, welchem ich - und ich denke mal wir alle – unser Herz geschenkt haben. Mit reichlich Flüssignahrung besattelt passierten wir den Zoll und die Dame, welche einen nicht gerade vertrauenserweckenden Eindruck vermittelte, hob vor unserem Bus ihre stramme Hand. Ist ja nichts Unübliches, aber ein Schlucken konnte ich mir dennoch nicht verkneifen. Die Dame inspizierte mit ihren grimmigen Blick unseren Bus und nahm ohne Kommentar unsere dargereichten Ausweise in die Hand. Die obligatorischen Fragen, wohin, wie lange, warum, das erste mal in Norge, blabla... wurden alle wahrheitsgemäß beantwortet. Während unserer „kontroversen“ Kommunikation – hihi – streifte ihr Blick immer wieder suchend durch unseren VW-Bus. Hätte ich mich zur Seite gedreht, hätte die „charmante“ Dame meinen dicken Kloß im Hals nicht übersehen können. Diese ganze Prozedur dauerte nun mittlerweile schon ca. 3-4 Minuten und die Zöllnerin weigerte sich vehement, uns unsere Ausweise wiederzugeben. Dann endlich reichte sie uns die 4 Dokumente und nun war ich der festen Überzeugung, sie lässt uns endlich passieren. Aber nein, jetzt kam ein 2. Zöllner hinzu und die beiden hatten nichts besseres zu tun, als ein kleines Plauscherlein abzuhalten. Wir 4 waren uns natürlich vorher einig, dass wir in solchen Situationen stets die ruhe zu bewahren haben und so fristeten wir der Hoffnung, dass die gewissenhafte Zöllnerin uns endlich durchwinkt. Nach geschlagenen 5 oder vielleicht waren es auch 6 Minuten erwies sie sich als gnädig und schwenkte ihren Arm. Jungs, es waren die längsten 6 Minuten meines Lebens und ich genoss es um ein Vielfaches, jetzt endlich in Ruhe meinen obligatorischen Kuss norwegischen Bodens hinterm Fährhafen von Kristiansand vollziehen zu können – legger (lol).

Auf gings gen Stavanger. Nach einer kurzen Rast trennten sich unsere 2 Gefährten, da wir Stavanger einen kurzen Besuch abstatten wollten und Karsti und seine Crew gleich gen Fister düsten. Also ganz kurz, in Stavanger angekommen, ein kurzer Stadtbummel, auf dem kleinen Fischmarkt am Hafen erst mal 1 Kilo frische Garnelen gekauft und beim Garnelenvernichten direkt im Hafenwasser einen Schwarm Makrelen begutachtet. Dann auf zum Fährhafen um dort mit der Fähre nach Tau überzusetzen. Nach der halbstündigen Überfahrt hatten wir noch ca. 35km vor uns, welche wir in 1h runter rödelten. Gegen 15:00 Uhr empfing uns bei strahlendem Sonnenschein und tiefblauem Himmel das wunderschön gelegene Dörfchen Fister am gleichnamigen Fjord. Hierbei muss noch erwähnt werden, dass wir unser Haus eigentlich erst ab Samstag 10:00 Uhr beziehen durften und wir die Nacht über am prachtvollen Fisterfjord verbringen wollten. Da unser Haus, welches ca. 1 km vom Hafen entfernt lag, jedoch nicht belegt war, gewährte uns die nette und auch gutaussehende Hausbetreuerin schon am Freitag Einlass ohne Aufpreis! Gegen 16:00 befreiten wir unsere Busse von ihrer schweren Last, setzten diese vor dem Haus ab und inspizierten dieses erst einmal. Unser Häuschen war ein Doppelhaus, welches auf einer kleinen Anhöhe direkt am Fisterfjord liegt und uns von der großzügigen Terrasse einen phänomenalen Ausblick auf den Fjord schenkte. Die untere Etage bestand aus einem sehr großen und komfortabel eingerichteten Wohnzimmer, einem Schlafraum, dem sehr großen Bad und einer mit allen notwendigen Gerätschaften ausgestatteten Küche. Das einzige Manko war der kleiner Gefrieraufsatz, welcher hoffentlich kein Synonym für den Fischbestand im Fisterfjord und Umgebung sein sollte. Die obere Etage (Galerie) war über eine schmale Treppe erreichbar, welche uns in den kommenden Tagen zur späten Stund noch das eine oder andere Problem bereiten sollte – unserem freund Jimmy sei Dank. Die Galerie wurde mit 2 Schlafräumen komplettiert. Nachdem nun alle Schubladen, Kühlfächer und Schränke mit unseren Utensilien gefüttert wurden, holten wir die restlichen Boote vom Hafen im Fister. Mein Kumpel Heiko und ich waren ca. 1h damit beschäftigt, sein Schlauchboot samt 10ps-er klar zu machen. Wie es im tiefen Fjordnorwegen so üblich ist, waren es allesamt 15fuß-Boote mit 10ps-er Motorisierung, welche uns aber in allen Belangen einen treuen Dienst erwiesen haben. Nach der üblichen Prozedur der Zusammenstellung des Angelequipments, war der erste Abend einer kurzen Ausfahrt zum Köderfischangeln gegönnt. Um eines vorweg zu nehmen und das Thema Makrelen abzuhaken, diese zu finden war ein Graus. Wir haben teilweise großflächig schleppen müssen, um die „Stachelthune“ zu verhaften.

1. TAG – Samstag, 06. September 03

Um 07:00 Uhr entließen uns unsere Träume und wir widmeten uns bei bedeckten, aber ruhigem Wind und trockenem Wetter einem ausgiebigen Frühstück. Nachdem wir uns unsere Monturen übergestreift hatten, verließen wir gegen 08:30 mit jeweils 2 Ruten, Koffer und Echolot das Haus um den kleinen Abhang zum Steg in angriff zu nehmen. Meine Wenigkeit musste mit meinem Gerödel immer 2mal rauf und runter – echz: beim ersten Ritt Angel- und Echolotkoffer und beim 2. Ritt: Angelruten und Verpflegungsbox. Ziel war erst einmal eine Untiefe auf 90m (im Ardalsfjord, 1km Süd-Ost hinter der Insel Helgoy), welche zu allen Seiten hin gut abfallend bei 140m-180m endete. Die Untiefe war ca. 5km von unserem Haus entfernt und lag in der Nähe von Helgoy. Da ich im vorab mein Navigerät mit allen möglichen Spots gefüttert hatte (nochmals herzlichsten Dank an Herbert vom AWS für die professionell erstellten Seekarten), war das auffinden der Untiefe in der Kombi mit meinem Lot kein Problem. Hierbei muss lediglich erwähnt werden, dass man, um einen „weit“ entfernten Punkt auch ohne große Umwege anfahren zu können, an den markanten Knickpunkten auf dem Weg zum Zielpunkt unbedingt Trackpunkte gesetzt werden müssen (diese können ohne Probs aus den Seekarten herausgelesen werden). Andernfalls werden aus 5km mal schnell 10, da die korrekte Navigationsrichtung immer die Luftlinienpeilung ist und man ja schlecht durch die Insel preschen kann. Nach ca. 1h waren wir am Ziel und wir bestückten unsere Montagen mit frischen Makrelenfilets. Ich fischte mit einer Millenium Boat 50lbs Griffteilung und mit einer aufmontierten Shimano tld 2-speed, auf welcher 28er Powerline aufgerödelt wurde. Meine Montage bestand aus einer 1er Mundschnur, 1 Seitenarmmontage mit Fluoschlauch, 8/0er circle und rot-weißer Octopusgarnierung, Blei und Nachläufermontage dto. seitenarm nur mit blau-weißer Octopusgarnierung. Am seitenarm wurde ein langes Markelenfilet angeflanscht und am Nachläufer fristete eine Flattermakrele ihr Dasein. Und schon wanderten unsere Köder in die Tiefe. Die Drift war heftig aber akzeptabel. Nach einer halben Stunde Makrelenbaden holten wir unsere Montagen hoch und mein Kumpel Fred hatte ca. 10m über Grund eine heftige Attacke auf seinem bestückten Makrelendrilling und nach erfolgreichem Drill konnte er einen 78er Dorsch gaffen. Ein guter Start sollte man meinen, aber dieser Tag erspart mir jetzt weiterer Kommentare, da ab dann Schicht im Schacht war. Nicht ein Zupfer. Gegen 17:00 traten wir unseren Heimweg an. Kurios war dennoch der 8pfünder Dorsch von meinem Karsti (auf´m anderen Kahn). Mit einer leichten Spinnrute bewaffnet (er war auf Räuchermakrele aus) hatte er kurz über Grund diesen 83er verhaftet, welcher mit der leichten Rute nicht zu bewegen war! Karsti musste die Schnur per Hand einholen, um den Dorsch auf die Planken zu legen! Abends unterhielten wir uns ausgiebig mit Johnnie und Jimmy und verfielen gegen 01:00 einen kurzen, aber festen Schlaf.

2.–4. Tag - Sonntag, 07. September 03 – Dienstag, 09. September 03

Ich möchte euch nicht mit belanglosen Zeugs maltretieren, daher ein ganz kurzes Resümee dieser 3. Tage. Am Sonntag und Montag war nothing. Wir haben alles versucht, aber auch alles, aber neben wunderschönen Impressionen von Norwegens Fjordlandschaft, phänomenaler Stille, feuchtem Wetter mit wechselnden Sonnenstrahlen und ruhiger bis heftiger Drift war ein Leng von 68cm unsere Ausbeute! Aber wir hatten dennoch unseren Spaß. Wir drei, Fred, Jens und meine Wenigkeit haben uns auf dem Wasser köstlichst amüsiert. Unser Zwerchfell dankte es uns mit argen Bauchschmerzen.

Der Dienstag geht in die Analen meines Anglerdaseins in Norwegen ein (schöne grüße an Lenga an dieser Stelle). Gegen 12:00 hatte ich das erste Mal die Nase so was von gestrichen voll, dass ich Fred und Jens überzeugen konnte, die anderen Waffen mit Köhlermontagen zum Einsatz zu bringen. Mein Vorschlag, auf Köhlerpirsch zu gehen, wurde prompt in die Tat umgesetzt. Nach ca. 2h langsamen Rumtuckern und Augenfixierung auf mein Lotdisplay konnten wir westlich von Halsnoy kurz vor Storoya einen Schwarm in 60m Wassertiefe ausmachen. Maschine Stopp, Montagen gen Tiefe und nun war uns wenigstens der feine Drill einer 3er Besetzung von kleinwüchsigen, 50-60er Köhlern gegönnt. Hat sicherlich was, ist aber nicht unbedingt mein Ding. Aber wenn man halt bis Dienstag immer noch keine Filets im Froster liegen hat, geht man halt mitunter auch Kompromisse ein. Nach einer halben Stunde war der Schwarm verschwunden aber dafür unsere Kiste das erste Mal gefüllt. Fred hatte an diesem Tag übrigens wieder Kontakt mit 1 Leng, welchen er sicher landen konnte! Gigantisch! Auf dem Rückweg in die Heimat kam uns dann noch die Idee, dass wir heute Abend ja mal ein paar Pilze in die Pfanne werfen könnten. Gesagt getan, auf einer kleinen, unbewohnten Insel angedockt – 5 Minuten die Berge rauf und runtergekraxelt, 5kg Wasser verloren und dicke, fette Steinis, Maronen und Birkenpilze dem feuchten Boden entrissen. Unser Hobbykoch Fred wird zukünftig nicht mehr daran vorbeikommen, uns generell zu beköstigen. Seine Fischsuppe und seine Pilzgerichte sollten prämiert werden – 3 Sterne im Michelin sind Fred schon mal sicher.

5. Tag – Mittwoch, 10. September 03

Nachdem wir am Vorabend von Jimmy und Johnnie wieder richtig gefordert wurden, fiel uns das Aufstehen um 06:00 etwas schwer. Aber die Hoffnung auf volle Fischkisten ließ uns unsere schweren Köpfe schnell vergessen, so dass wir heute gegen 08:00 Uhr bei Windstärke 3, bedecktem Himmel und wechselnden Regenschauern den Weg nach Randoy in Angriff nahmen. Nach dem Studium unserer Seekarte am Vorabend, konnten wir dort westlich von Randoy auf der Höhe Kudnes ein paar abfallende Kanten ausfindig machen, welche bei ca. 130m Tiefe endeten. Der Weg dorthin nahm ca. 1h in Anspruch. Unsere Montagen wurden mit frischen Makrelenfilets, welche wir unterwegs auf der Höhe Svansholmen verhaften konnten, bespickt und wir begannen bei 45m unsere ablandige Drift. 5 Minuten nach Bodenkontakt hatte ich bei leichtem Abklopfen des sehr vielversprechenden, zerklüfteten Bodens Fischkontakt. Der leichte, nach oben gehende Zug meiner Millenium wurde mit einer starken Vibration der sehr sensiblen Spitze der 50lbs-er belohnt (für eine 50lbs-er hat die Millenium eine sehr sensible Spitze, welche auch ein feines Fischen ermöglicht!). Der Fisch saß.. Bedächtiges Pumpen mit wechselndem Schnureinzug im 1. Gang brachte mir nach ein paar Minuten meinen ersten „Grundfisch“ auf die Planken. Und zur Überraschung aller, war es ein 50er Steinbeißer. Zwar ein bisschen lütt, aber dennoch war die Freude groß, denn in diesen Regionen gehört nun mal der „Catti“ nicht zur Tagesordnung. Fred hatte unmittelbar danach auch den ersten Kontakt und konnte nach wenigen Minuten einen schönen, 55er „Stinki“ ins Boot befördern. Beide gehörten zwar nicht der Kategorie Großfisch an, aber da seit der Montagenversenkung gerade mal 15 Minuten vergangen waren und wir schon 2 Fische in unsere Kiste legen konnten, war unsere Hoffnung groß, heute mal etwas „Besseres“ unser eigen nennen zu dürfen. Aber bei der Hoffnung sollte es auch bleiben, außer ein paar Zupfern bei ständigem Ortswechsel an vielversprechenden Stellen war’s das auch schon wieder an Fisch für den heutigen Tag. Dennoch genossen wir den heutigen Tag und verweilten bis ca. 20:30 Uhr auf dem Wasser. Wir genossen die einsame Stille, klönten über dies und das, erfreuten uns über das Antlitz der Sonne, welche uns ab Nachmittag auf unserer Fischpirsch ein guter Freund war. Der heutige Abend war dann dem vertilgen von frischem Grillgut gewidmet. Dabei beschlossen wir, hinter Byre direkt am Übergang des Fister- zum Fognafjord uns bis zur „Fahrrinne“ auf ca. 280m Tiefe abdriften zu lassen. Mit diesem Vorhaben und der uns Anglern angeborenen Engelsgeduld verfielen wir alle einem langen Schlaf.

6. Tag – Donnerstag, 11. September 03

Die Morgenprozedur war immer die Gleiche. Voller Hoffnung sprang ich um 06:00 aus dem Bett. Meine Wenigkeit setzte morgens immer den Kaffee auf, genoss das prasselnde Nass aus der Dusche und nachdem meine Morgenwäsche vollzogen war, zottelte ich die anderen Jungs aus den Federn. Nachdem unsere Reiseration verpackt war, ging es bei strahlendem Sonnenschein, tiefblauem Himmel und (verdammt noch mal) so gut wie gar keinem Wind, gen Byre. Die 5km rödelten wir in gut einer halben Stunde runter und waren um ca. 08:30 am Ziel unserer heutigen, ersten Angelstelle. Das Vorhaben, uns auf die Fahrrinne abdriften zu lassen, war aber auch nur eins. Denn die fehlende Drift ließ unsere Köder am Grund parken. Uns kann aber auch gar nichts erschüttern, wir harrten der Dinge die da kommen und verweilten so ca. 2h – mal hier, mal da um vielleicht doch mal irgendeinem Leng, Lumb & co auf die unsere Montagen auf die Omme zu knallen. Nix da. Kein Leng hat sich ne Beule geholt. Kein gar nichts. Also, unverdrossen nächste Stelle angefahren. Fred, der nun mittlerweile auch schon ein paar Jährchen Norgeangeln auf den Buckeln hat, war schon völlig gefrustet und kam auf die glorreiche Idee, mal einen kleinen Plattenstopp an einer vielversprechenden Stelle zu machen. Selbst meine Überredungskünste, bei diesen Witterungsverhältnissen kannst du Plattenhaschen knicken, denn da wo nix ist, kann auch nix beißen, fruchteten nicht. Ergo, Ruten mit Buttmontagen mit frischen Makrelenfetzen bestückt und bei ca. 20m auf eine Sandbank auf der Höhe der Insel Tjorma geparkt. Unser Fred konnte dabei zwar einen kleinen, 50er Pollack verhaften, aber irgendwie hatte dieser schöne Fisch irgendwie gar nichts mit Plattfischen zu tun. Nach 1h diversen Disputen über nix Platte (ich), nun warte doch, es wird schon (Fred), ich glaube auch (Jens), nie und nimmer (ich), entschlossen wir uns doch zur Weiterfahrt. Ziel war die Stelle, an welcher ich am Vortag den Seewolf landen konnte. Denn jeder, der schon einige Male in Norge war weiß, da wo gestern kein Fisch überzeugt werden konnte zu beißen, kann es am Folgetag wiederum ganz anders aussehen. Auf der Fahrt dorthin machten wir einen kurzen Zwischenstopp an der Nordspitze Heroyas um hier unsere Naturködermontagen anzubieten. Wir hatten auf dem Lot eine abfallende Kante von 40m auf 80m ausmachen können. Die Greyline versprach harten und felsigen, zerklüfteten Boden. Diese Vermutung sollte sich bestätigen. Aber auch hier hatten wir keinen Fischkontakt. Es war ca. 13:00 und ich flaggte meine Naturköderrute weg und griff zu einem leichteren Modell, eine Yad Granada mit einem Wurfgewicht von 100-300g. Als Montage kam ein rot/weißer 100g Pilker zum Einsatz. Dieser wurde von mir noch mit einem roten Gummimack garniert. Drilling und Einzelhaken wurden mit frischen Makrelenfetzen bestückt. Aufgrund der fehlenden Drift wurde die Montage rauskatapultiert. Nach Grundberührung wurde Köderkontakt aufgenommen. Mit wechselnden, mal langem, mal kurzem und dann wieder tänzelndem Zug wurde die Montage langsam eingeholt immer darauf achtend, schön den Grund abzuklopfen. Ups… zupf, zupf… Pilker liegen lassen… zupf und ratsch, der Köder wurde inhaliert und ich bestätigte den Kontakt mit einem kurzen, aber gutem Anhieb. Der Fisch saß. Langsames Pumpen mit wechselnder Spulenfüllung, ließ mich nach ein paar Minuten einen mittleren Leng landen. Na ja, vielleicht habe ich ja gerade zur rechten Zeit und am richtigen Ort den einzigen Leng im Umkreis von 3 Meilen zum Anbiss überzeugen können – hihi. Pilker und Mack neu bestückt und wieder raus geflackt. Mittlerweile hatten Fred und Jens auch um bestückt und ihre Ruten gewechselt. Auch hier wieder, Köder runter zum Grund. Schnurspannung. Leichtes ranzupfen. Ups… diesmal kein Zupfer, sondern ein Knall im Rutenblank, sofortiger Anhieb und die Vibration meiner Yad-Spitze versprach besseren Fisch. Der drill dieses Fisches machte an meiner 300g-er ein Heidenspaß, selbst im „Mittelwasser“ nahm er in kurzen Rucken Schnur von meiner Stationärrolle. Nach heftigem Pumpen konnte ich einen mittleren 80er Leng auf die Planken legen. Nachdem ich mit dieser Methode 2 weitere Lengs erlegen konnte, tat sich eine halbe Stunde lang gar nichts. Das stetige Abpilken endete dann immer mit längeren Klopfen, direkt unter unserem Boot in ca. 50m Tiefe. Nach längerem Warten ohne Köderattacken holte ich meine Montage ein, 2 Spulenhübe und dann gab es plötzlich diesen Adrenalinschub, der uns allen unsere Schädeldecke platzen lässt. In nur 50m Wassertiefe hatte ich einen solchen Einsteiger schon lange nicht mehr erlebt. Der Köder wurde so rabiat genommen, dass mir beinahe meine Yad aus der Hand gerissen wurde. Das Pumpen, um den vermeintlichen Leng vom Boden hoch zu holen, wurde mit heftigen Schüttelattacken gen Grund erwidert. Auf dieses geile Feeling hatte ich nun so lange warten müssen. Und nun rächte sich die Tatsache, dass ich meinen Pilker ohne Mundschnur direkt an der Geflochtenen angeboten habe. Ohne Puffer bist du zum verlieren verdammt. Ich hatte mit meiner 300g Rute keine Chance, dem Fisch auch nur 1m zu nehmen. Nach 2 Minuten harten Schüttelattacken, welche ohne Puffer wahrscheinlich schon ein tennisballgroßes loch im Fischmaul verursacht hat, musste kommen was kommen musste. Ich hatte verloren. Mit bebendem Puls, zitternden Händen, schweißnasser Stirn und einem verbalen, nicht ganz jugendfreien Ausbruch holte ich die leere Montage wieder nach oben. Unverdrossen und dennoch fluchend montierte ich fix eine 0,80er mono mit einer Länge von 2m als Puffer und ließ den neu bestückten Köder wieder an der selben stellen Runter. Ich verharrte ca. eine Dreiviertelstunde unterm Boot, leicht den Grund mit leichten Hebebewegungen abklopfend. Aber eine erneute Attacke blieb leider aus. Danach fröhnte ich weiter dem leichten Naturköderpilken und konnte dabei noch 2 Dorsche, 1 Pollack und 5 weitere Lengs mittlerer Größe, welche gerade der Kinderstube entsprungen waren, verhaften. Der kleinste Leng hatte 63cm und der Größte an diesem tag 82cm. Da das Filetieren unserer Fische ja auch noch etwas Zeit in Anspruch nehmen sollte, traten wir gegen 16:30 Uhr unseren Heimweg an. Erwähnenswert wäre da noch, dass ein Wurf mit meiner schlanken Pilkermontage von einem 68er Hornhecht im Oberwasser genommen wurde. Alles in allem war dieser Donnerstag, nach den Misserfolgen der Vortage, einer unserer glücklichsten Momente während unseres Fisterturns. An unserem Steg angekommen machten wir uns sodann auch gleich ans filetieren. Da mein Kumpel Jens mit filetieren nix am Hut hat, wurde er zum Benzinholen und zur Zubereitung des Abendmahles verdammt, während Fred und ich unsere Filets von den Lengs zogen. Unsere Fänge wurden selbstredend fein säuberlich durch 3 geteilt und vakumiert in den Frosterschlund geschoben. Da unser Filetiertisch direkt auf dem schwimmenden Bootssteg befestigt wurde und zum Abend hin anlandiger Wind aufkam, hatte ich beim Abendessen und Blondinenvernichten immer noch das Gefühl, bei 6bft in einer Nussschale zu sitzen. Nach nettem Klönen und einer heftigen Skatrunde wurde logischerweise beschlossen, am folge- und letzten Tag dieser Stelle, welche bei N59 Grad, 11 Minuten, 640 sec / E 5grad, 58 Minuten, 850 sec lag, einen erneuten Besuch abzustatten.

7. Tag – Freitag, 12. September 03

Das heutige Wetter schenkte uns noch 1h Schlaf, da es um 06:00 wie aus Kübeln goss. Aber auch um 07:00 war keine Änderung in Sicht und so beschlossen wir nach einem kurzem Frühstücksmahl dennoch unsere gestrige Stelle anzufahren. Das Boot wurde mit ungefähr 97 Eimerhüben vom Wasser befreit und auf ging es. Es schiffte wie aus Kübeln, aber der Ruf des großen Lengs war stärker. Nach einer sehr strapaziösen Überfahrt konnten wir um ca. 09:30 unsere Köder zum Grund schicken. Zu dem ohnehin starken Regenguss gesellte sich nun, stetig wachsend auch noch Wind. Mein 100g Pilker sah alles andere, nur keinen Grund mehr. Ergo 250g montiert und wieder runter. Nach nicht allzu langer Zeit konnte ich einen kleinen Leng von 65cm auf die Planken legen. Und unmittelbar nach dem nächsten Köderablass hatte ich wieder eine harte Attacke. Der schöne Drill bescherte mir einen 92er Leng von knappen 10 Pfund. Unsere 2stündige Sitzung wurde immer wieder vom Wasserschöpfen unterbrochen, da es weiterhin ununterbrochen regnete. Und ich wusste schon vorher, was jetzt kommen musste. Mein Kumpel Jens war lediglich mit einer gelben Gummihose und einer grauen Gummijacke, mit darunter sitzendem Stoffpullover bestückt. Ganz zu schweigen von seinem Schuhwerk. Jedenfalls war er vollkommen durchnässt und wir, Fred und ich, bereuten jetzt, Jens mit dieser Montur bei diesem Wetter überhaupt mitgenommen zu haben. Es blieb uns nichts anderes übrig, als den Rückweg anzutreten. Richtung Norden klarte es bereits wieder auf und jegliche Überzeugungsarbeit, Jens dennoch zum verweilen zu überreden, scheiterten. Was soll ich euch sagen, am Bootssteg angekommen dauerte es auch nicht mehr lange und der Regen wurde durch das Durchbrechen der Sonne abgelöst. Es herrschte zwar immer noch ein laues Lüftchen, aber die Regenwolken wurden verdrängt und ab 13:00 schien bis in den Abend hinein permanent die Sonne. Aber da der Tank eh schon wieder nach Benzin lechzte, wir so langsam mit den Vorbereitungen unserer morgigen Abreise beginnen mussten, entschlossen wir uns, am Bootssteg zu verweilen, um hier den Hornhechten nachzustellen. Da wir keine Posen in unseren Angelkoffern hatten, bauten wir uns kurzerhand aus Styropor eine Postenmontage. Unsere Makrelenfetzen wurden am langschenkeligen Butthaken in 2m Wassertiefe angeboten. Mit 4 Mann konnten wir an diesem Nachmittag noch 23 Hornhechte von 62cm – 79cm verhaften. Am feinen Gerät hat uns der Kampf mit diesen Kraftpaketen einen Heidenspaß bereitet. Um 17:00 stellten wir das Angeln ein und es begann die übliche Prozedur der Abreisevorbereitungen. Ich schrubbte das Boot und mein Gemach, befreite meine Rollen und Ruten vom Salz und zerlegte meinen Angelkoffer in all seine Einzelteile zur Trocknung. Nach absolvierter Arbeit setzten wir uns am Abend alle nochmals zusammen, vertilgten die Restbestände an kühlen Blonden, Jimmys und Johnnies und verfielen einen langen Schlaf, welcher am Abreisetag, Samstag, 13. September 03 um 06:30 sein Ende fand.

Um 09:00 wurde unser Haus blitzend sauber verlassen, Schlüssel am Kai von Fister bei der Vermieterin übergeben und unsere Styroboxen mit den Fischfilets gefüllt. Gegen 10:00 setzten sich unsere 2 voll beladenen Busse gen Kristiansand in Bewegung. Um 18:00 besetzten wir die Line 14, da alle anderen schon proppevoll waren – frei nach dem Motto, wer zuletzt kommt, kommt zuerst rein. Die Kristian IV verließ mit etwas Verspätung gegen 19:45 den Hafen von Kristiansand. Mit einem tränenden Auge schweiften meine Blicke während der Abfahrt die Küstenstreifen Norwegens. Um 24:00 öffnete sich der Schlund der Kristian IV und unser Weg von Hirtshals nach Birkenwerder nahm 10h in Anspruch. Nach kurzem Umsatteln in meinem Pkw düste ich, nachdem eine frisch gebrühter Kaffee inhaliert wurde, um 10:45 nach Hause und stand um 11:30 vor meiner liebsten…

…so das war es Jungs. Erwähnenswert wäre lediglich noch, dass von 9 Mann nur ein Lumb gelandet werden konnte! Die Palette an gefangenen Fischen belief sich auf: 1 Scholle, kleinwüchsigen Seehechten, mittleren Köhlern, den erwähnten Lengs, mittleren bis guten Dorschen (der Größte wurde mit 85cm abgemessen – gefangen vom Norgeneuling Stefan), mittleren Pollacks, mittleren Schellfischen, Makrelen (mein Kumpel Ingo fing übrigens 1 Makrele von sage und schreibe 3 Pfund!) und massig Hornhechten.

Fazit: Auch wenn der Großfisch uns nicht hold war, er ist mit Sicherheit da. Ich werde mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann wieder einmal diesem Örtchen Fister einen Besuch abstatten. Diese Kombination aus gewaltigen Wassermassen, endlosen Bergmassiven, unberührter Natur und phänomenaler Stille ist einfach überwältigend.

Auch für diesen Bericht sagen wir  "tusen takk og vi sees i Fister!!"

 

info@norwegen-fjordhuette.de