Wir freuen uns hier den ersten Reise- und Angelbericht unseres Gastes Herrn Steffen Diecke aus Wörth/Donau vorzustellen:
Am Fisterfjord in Rogaland
Am 09.08.2003 um ca.19:00 Uhr ging es von Wörth/Do. endlich los in Richtung Fister. Die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle und um ca. 07:00 Uhr erreichten wir Hirtshals, wo die "Christian IV" um 08:15 Uhr in Richtung Kristiansand ablegte. Die 4,5 Std. Überfahrt vergingen wie im Flug und bei strahlendem Sonnenschein nutzen wir die Zeit für ein Sonnebad auf dem Oberdeck.
Die norwegische Südküste erreichten wir, wie schon gesagt, bei "Kaiserwetter" und ohne jede Kontrolle setzten wir unsere Fahrt, es lagen ja noch ca.5 Std. Autofahrt vor uns, auf der E39 in Richtung Stavanger fort. Am frühen Abend erreichten wir Fister, wo wir schon von meinem Vater und meiner Mutter erwartet wurden. Mein Vater hatte ein sehr schönes Ferienhaus gemietet. Es lag direkt am Wasser in einer kleinen Bucht des Fisterfjord's und war mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet. Das Gepäck wurde ausgeladen und dann wollte ich natürlich wissen wie es mit den Fangerfolgen bis dahin aussehen würde. Naja, viel Hoffnung konnte man mir nicht machen. Das Einzige was bis dahin gefangen wurde waren Makrelen, von der Terrasse aus, und einige Köhler vom Boot aus.
Nun muss ich aber noch sagen, dass es sich um einen Sommerurlaub mit Familie handelt und daher das Angeln nicht an erster Stelle steht. Wir sollten aber in den nächsten 14 Tagen genügend Möglichkeiten haben unserer Leidenschaft nachzugehen. Also wurde erst mal das Boot in Augenschein genommen, ein 15 Fuss Boot mit 10 PS Johnson Aussenborder. Zu Boot und Motor nur soviel, das Boot war ganz i.O. aber der Motor nicht. Den Leerlauf fand man nur mit sehr viel Geduld und auch das Startverhalten war ein Witz. Und zu alledem war der Motor wohl auch noch gedrosselt. Also 10 PS waren das niemals. Nach kurzer Absprache mit Elisabeth, war dort unsere Ansprechpartnerin, bekamen wir ein neues Boot. Diesmal ein "Pioner 15" mit 10 PS Tohatsu Motor. Das Boot war absolut Top, bloss der Motor wieder. Es lief zwar gut hatte aber mit dem Boot so seine Mühe. Wobei ich auch da der Überzeugung bin das es gedrosselt was. Aber sei es drum, letztlich hat es auch so geklappt.Anm.:Die Motoren sind nicht gedrosselt, aber wenn man aus lauter Angelbegeisterung nicht schnell genug zum Fisch kommt... :-)
Am nächsten Tag sollte es nun zum ersten Mal zum Angeln gehen, Makrelen als Köder hatten wir genug. Das Echolot war montiert und auch die Positionen in das nagelneue Magellan 320 eingegeben. Wir sind mit dem Gerät sehr gut klar gekommen. Seekarten und GPS-Positionen hatte ich ja dabei und so fanden wir die vermeintlich guten Stellen sehr schnell. Naja, mit dem schnell das stimmt nicht ganz. Ihr wisst ja das Boot mit dem Schneckenmotor. Wir nahmen aber den Kampf mit der Zeit auf und erreichten dann nach entloser Fahrt die von uns ausgesuchten Fangplätze im AUSTREOMBO-FJORDEN. Die Wassertiefen bewegten sich zwischen 30-70m umgeben von Wassertiefen jenseits der 100-150m.
Geangelt habe ich ausschließlich mit Naturköder und so konnten wir die ersten mittleren Leng und einige kleine Rotbarsche fangen. Alles in Allem waren diese Stellen aber nicht so der Bringer. Wir beschlossen also einen anderen Platz aufzusuchen, dieser war schnell im GARSUNDFJORDEN gefunden. Dort suchten wir uns eine Stelle, wo es sehr schnell bis auf über 300 m abfällt. Wir fischten in ca. 130 m hatten aber auch hier keinen Erfolg. Was aber auch der zum Teil sehr starken Strömung gelegen hatte. Selbst mit 800 g war es sehr schwer den Köder am Grund zu halten. So umrundeten wir die Insel RANDOEY und befischten noch die eine oder andere Stelle. Der Rest der Familie nutzte das Traumwetter zum Baden was direkt vom der Terrasse aus ein Heidenspass war.
Für den nächsten Tag stand ein Ausflug nach Sand auf dem Plan, wo man an einem Lachsfluss eine Fischtreppe besuchen und in einer Art Aquarium den Fischen beim Aufstieg zuschauen kann. Angeln kann man dort auch aber es soll wohl sehr exkusiv und teuer sein.
Am Abend angelten wir dann noch von der Terrasse aus auf die stets anwesenden Makrelen.
Am nächsten Tag ging es dann noch mal an die schon bekannten Stellen zwischen der Insel OMBO und JOSNESET und diesmal konnten wir neben Leng auch einen Steibeisser, kein Riese, und einen schönen ca. 50cm Flügelbutt erbeuten. Wo zwei Tage vorher noch eine Höllendrift herrschte war heute absolut nichts. So hatten wir das Problem das wir fast auf dem Fleck standen.
Für den nächsten Tag stand ein Besuch der Stadt Stavanger auf dem Plan. Da wir aber nicht mit dem Auto hinfahren wollten entschieden wir uns für das Wassertaxi. Das ganze hatte den Vorteil das diese Schiffe in unmittelbarer Nähe unseres Ferienhauses eine Anlegestelle haben und wir so bequem in ca. 1,5 Std. direkt in Stavanger ankamen.
Heute war nun der Wind, der gestern fehlte, richtig da. Und die Fahrt mit dem Schiff war zum Teil sehr wackelig. Selbst im Hafen von Stavanger hatten die Wellen Schaumkronen. Stavanger ist eine sehr schöne Stadt und gerade wenn man mit Familie unterwegs ist eine schöne Abwechslung. Eine der Sehenswürdigkeiten die man sich anschauen sollte ist das Ölmuseum direkt am Hafen.
An Angeln war heute natürlich nicht mehr zu denken da es bei diesem Wind und den Wellen für uns zu gefährlich war rauszufahren. Wir angelten direkt vom Haus aus auf Makrelen. Was mit einer leichten Spinnrute und kleinen schlanken Blinkern eine tolle Sache ist. Meine Tochter, 11 Jahre, sollte auch ihren ersten Fisch auf diese weise fangen und war von daher mit heller Freude bei der Sache. Der wind hatte aber auch seine Gute Seite, das er von Meer kam, also West, brachte er viel frisches und vor allem kühleres Wasser in die Fjorde. Denn das war zwar zum Baden sehr angenehm aber zum Angeln zu warm.
Am Abend machten wir uns nun Gedanken wo es am nächsten Tag zum Angeln hingehen sollte. Denn wenn der Wind in etwa so bleiben sollte brauchten wir eine windgeschützte Ecke. Diese fanden wir ganz in der Nähe unseres Ferienhauses auf der anderen Seite des FISTERFJORDEN.
Mit dem Boot waren es nur ca. 15 min. Die Wassertiefe lag dort bei ca. 40 m und viel dann zum Fjordmitte auf über 140 m ab. Am nächsten Tag hatte der Wind nachgelassen und wir fuhren zu dem besagten Fangplatz, für den hatte ich keine GPS-Daten im Vorfeld bekommen. Wir begannen also unsere Drift bei 40 m und liessen uns quer über den Fjord driften. Ich benutzte eine Einhakenmontage 8/0 welche mit einem Leuchtoktopus und Leuchtschlauch sowie einem Knicklicht versehen war. Mein Vater fischte mit einer Zweihackenmontage die genau wie meine mit allerlei Leuchtzeug getunt war. Als Köder kamen Makrelenfetzen zum Einsatz. Es dauerte nicht lange da hatten wir die ersten kleinen Rotbarsche und auch ein Leng und ein Schellfisch landeten in unserer Fischkiste. Bis jetzt war dies der TOPPLATZ!!
Es sollte aber noch besser kommen. Bei der nächsten Drift bekam ich eine ordentlichen Biss bei ca.130 m. Welcher sich dach einem schönen Drill als 6,5 kg Lumb heraus stellte. Also wieder zurück und neuer Anlauf, diesmal kam noch im "flachen" bei ca.60 m der einzige Dorsch, 2 kg, des Urlaubs ins Boot. Die Drift ging aber weiter und ich konnte noch einen Lumb, diesmal 5,0 kg, überlisten. Bei einer der nächsten Driften fing mein Vater dann noch einen Lumb mit 3,5 kg. So ging ein erfolgreicher Angeltag langsam zu Ende.
Für den nächsten Tag stand wieder Familientag auf dem Plan, also ging es nach Jörpeland um einige Sachen einzukaufen. Natürlich musste ich auch wieder nach Blaubeermarmelade Ausschau halten. In einen RIMI-Shop wurde ich dann auch fündig. So wurden dann gleich fünf Gläser von der Richtigen, nicht die leichte (lett), gebunkert. Am Nachmittag ging es dann noch mal raus aufs Wasser und bei dieser Ausfahrt sollte ich das Highlight dieses Urlaubs aus den Tiefen des Fisterfjord's ziehen. Bei einer Tiefe von ca.10 0m bemerkte ich das etwas an meinem Haken hängt, bloss bewegte sich da nichts. Ich dachte so bei mir: "Wird wohl irgend ein Unrat sein den Du da auf dem Meeresgrund aufgeklaubt hast." Die Rute bog sich ordentlich und ich kurbelte was das Zeug hielt um zu sehen was den da zum Vorschein kommen würde. Die Überraschung war gross als wir sahen das es um eine orangefarbene Seespinne handelte. Im ersten Moment dachten wir es wäre eine dieser Monsterkrabben die in Nordnorwegen ihr Unwesen treiben. Das die Krabbe nicht gebissen, die Schnur hatte sich um eine der Scheren gewickelt, hatte konnten wir sie recht schnell befreien und nach einigen Foto und Videoaufnahmen wurde sie wieder zurück gesetzt.
Da das Wetter noch schön war, unternahmen meine Frau meine Tochter und ich am n?chsten Tag einen Ausflug zum Preikestolen. Meine Eltern wollten den schönen Tag mit Pilze sammeln verbringen was auch sehr erfolgreich war.
Wir waren zwar 2000 schon mal auf dem Preikestolen, hatten aber richtiges Sauwetter und damit auch keine schöne Aussicht. Diesmal sollte alles werden, die Sonne lachte an einem leicht bewölken Himmel und es war auch nicht zu heiss. Nach ca. einer Stunde Autofahrt kamen wir am Parkplatz an und machten uns auf den beschwerlichen Weg zur Kanzel. Für den Weg muss man ca. 2 Std. pro Strecke einplanen, man wird aber mit einer Super Aussicht über den Lysefjord und das Hochland belohnt. Und genau so war es diesmal auch, über ein Moor und vorbei an Bergseen ging es dem Felsplateau entgegen. Zum Teil ist der "Weg" auch sehr beschwerlich da es sich nicht um einen Wanderweg handelt wie wir ihn kennen. Da geht wirklich über Stock und Stein. Nach 2 Std. hatten wir den Ausstieg geschafft und liessen in 600m über dem Lysefjord die Beine im freien baumeln. Nachdem die grandiose Aussicht genossen wurde sowie die obligatorischen Fotos gemacht waren standen uns nun noch mal 2 Std. Abstieg bevor. Der zu dieser Tour gehörende Muskelkater kam dann auch einen Tag später.
Am Montag stand dann wieder angeln auf dem Plan. Wir wollten gerade los als wir Elisabeth, mit zwei Herren, winkend am Ufer stehen sahen. Wir fuhren also hin und sie fragte uns ob wir zum Angeln wollten und es uns etwas ausmachen würde, wenn die beiden Herren dazu begleiten würden und uns dann einige Fragen stellen konnten. Es handelte sich um eine Reporter vom Stavanger-Aftenbad und einen Fotografen. Es machte uns nichts aus und so fuhren wir los, die beiden Herren folgten uns dann später in ihren Boot. Wir hatten wieder sehr wenig Drift und so dümpelten wir an "unserer" Stelle und harten der Dinge die da kommen sollten. Nach einiger Zeit kamen die Zeitungsleute und setzten sich mit ihrem Boot neben unseres. Es ging um einen Beitrag im Stavanger-Aftenblad über deutsche Touristen und das Angeln. Bei dem Interview wurden die unterschiedlichsten Themen angeschnitten. Darüber warum man gerade in Norwegen Urlaub macht und ob es nicht sehr teuer ist über das leidige Thema der "Raubangler" sowie die angedachte Ausfuhrmengenbeschreckung. Es war alles in allem eine recht interessante Sache bei der wir fast das Angeln vergessen hätten. Den schliesslich soll es ja in dem Beitrag um das Angeln gehen und dazu gehört auch ein Fisch. Der Fotograf will ja auch etwas zutun haben. Und bei der Ausrüstung die der hatte mussten die Fotos ja Extraklasse werden.
Wir waren gerade so in das Interview vertieft da bekam ich bei 122 m eine ordentlichen Biss, das war genau nach dem Geschmack des Reporters, meines natürlich auch, uns wir liessen das Gespräch erst mal Gespräch sein. Denn jetzt hie? es den "Gast" an meiner Rute freundlich ins Boot zu bitten. Nach einiger Zeit kam in einem grossen Luftblasenteppich ein Lumb von 6,0 kg an die Oberfläche.
Der Fotograf war nun voll in seinem Element, es hiess nun den Fisch von oben, von rechts, von links, mit und ohne Finger zu halten. Dann wieder nur der Kopf und so weiter und sofort.
Ab Dienstag verschlechterte sich dann das Wetter rapide, so dass wir nur noch sehr sporadisch zum Angeln kamen. Wir fingen ausser einiger Leng und kleineren Lumb auch nicht mehr all zu viel. Dennoch unternahmen wir noch einen Ausflug zum "Adlernest" bei Lysebotn. Das ist ein Ausflugslokal das direkt an die Felskante gebaut ist und von dem aus man einen herrlichen Blick, aus ca. 1000m Höhe, über den letzten Zipfel des Lysefjord und den Ort Lysebotn hat. Zum Ort hinunter führt eine Strasse mit 27 Haarnadelkurven, wobei sich eine dieser Kurven in einem Tunnel befindet. Man erreicht Lysebotn von Oanes aus mit einer Fähre oder aber man führt, wie wir, die Strecke mit dem Auto über Oanes, Lauvvik, Oltedal, Svartevatn in Richtung Lysebotn. Die Fahrt führt dann vorbei an kleinen Flüssen und durch beeindruckende Schluchten, über ein Hochplato zum "Adlernest". Das kann man auch als Ausgangspunkt für eine Wanderung zum Kjerag nutzen. Das ist ein Stein der, frei, in ca.1000 m Höhe zwischen zwei Felsen eingeklemmt ist. Die übrige Zeit bis zur Abreise am Freitag Vormittag wurde nebenbei noch mit Pilze suchen verbracht, was auch sehr schön und ergiebig war.
Alles in allem war es ein sehr schöner Urlaub der für jeden aus der Familie etwas zu bieten hatte. Denn gerade wenn man mit der Familie, die mit angeln nichts am Hut hat, unterwegs ist kommt es darauf an einen vernünftigen Kompromiss zu finden.
Für diesen schönen ausführlichen Bericht sagen wir weiterhin "Petri Heil" und "tusen takk"